Stammdaten sind die Angaben, die über viele Vorgänge hinweg gleich bleiben: Kunden, Artikel, Lieferanten, dazu Nummern, Einheiten, Preise und Konditionen. Sie stehen selten im Mittelpunkt, weil niemand morgens einen Kundenstammsatz verkauft. Trotzdem hängt fast alles an ihnen. Jede Auswertung gruppiert nach ihnen, jede Schnittstelle erkennt Datensätze über sie wieder, jede Rechnung und jede Bestellung greift auf sie zurück. Wo dieselbe Firma unter drei Schreibweisen geführt wird, wo eine Artikelnummer nach einer Löschung erneut vergeben wurde oder wo niemand sagen kann, welches System bei der Anschrift Recht hat, entstehen Fehler, die im Beleg sichtbar werden und deren Ursache im Stamm liegt. Dieser Beitrag beschreibt, wie sich das ordnen lässt: welches System je Datenart und je Feld führt, welche Pflichtfelder wirklich nötig sind, wie Schreibweisen vereinheitlicht werden und wer welches Feld pflegt. Danach folgt ein Vorgehen zur Bereinigung, das in Wellen arbeitet und den laufenden Betrieb nicht anhält. Wer den eigenen Bestand zuerst messen möchte, findet den Einstieg in der Prozessanalyse.
Das Wichtigste in Kürze
- Stammdaten sind die Angaben, die über viele Vorgänge hinweg bestehen bleiben; ein Fehler dort wirkt nicht einmal, sondern in jedem Beleg, jeder Auswertung und jeder Übertragung, die danach entsteht.
- Auswertungen scheitern an uneinheitlichen Schlüsseln, weil ein Kunde unter drei Nummern als drei mittlere statt als ein großer erscheint; Schnittstellen scheitern daran, dass sie ohne eindeutigen Schlüssel neue Datensätze anlegen statt vorhandene zu treffen.
- Führend ist ein System je Feld, nicht je Datenart als Ganzes: Kundenanschrift in der Warenwirtschaft, Zahlungsziel in der Buchhaltung, Bankdaten im Einkauf mit Vier-Augen-Prinzip, festgehalten in einer Tabelle aus Feld, System und Begründung.
- Pflichtfelder und Schreibregeln gehören in die Eingabemaske, nicht in eine Anweisung im Ordner; zu viele Pflichtfelder erzeugen Ausweichwerte, feste Wertelisten statt Freitext verhindern den größten Teil der späteren Auswertungsfehler.
- Die Bereinigung läuft in fünf Schritten und in Wellen: erst Regeln festlegen, dann Neuanlagen absichern, dann den Bestand messen, dann nach Wirkung sortiert bereinigen und am Ende dieselben Kennzahlen erneut erheben.
Was Stammdaten sind und warum sie niemandem gehören
Ein Kunde hat eine Nummer, einen Namen, eine Anschrift, ein Zahlungsziel und eine steuerliche Einordnung. Ein Artikel hat eine Nummer, eine Bezeichnung, eine Mengeneinheit, einen Preis und eine Warengruppe. Ein Lieferant hat eine Nummer, eine Anschrift, Konditionen und eine Bankverbindung. Diese Angaben bestehen über viele Vorgänge hinweg und ändern sich selten. Ihnen gegenüber stehen die Bewegungsdaten: Angebote, Aufträge, Lieferscheine, Rechnungen, Buchungen. Bewegungsdaten entstehen täglich neu und verweisen auf den Stamm. Genau daraus ergibt sich die Hebelwirkung: Ein falscher Wert im Stamm wirkt nicht einmal, sondern in jedem Beleg, der danach erzeugt wird, und in jeder Auswertung, die auf diesen Belegen aufsetzt.
Im Alltag hat der Stamm keinen Fürsprecher. Ein Auftrag hat einen Liefertermin, eine Rechnung hat ein Fälligkeitsdatum, ein Stammsatz hat nichts davon. Er entsteht nebenbei, meist unter Zeitdruck, weil gerade ein Auftrag erfasst werden muss. Wer ihn anlegt, füllt aus, was für den eigenen Zweck gebraucht wird, und lässt den Rest leer. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine nachvollziehbare Priorisierung im Tagesgeschäft. Stammdaten gehören keiner Abteilung, deshalb pflegt sie jede nach eigenen Maßstäben. Erst in der Auswertung oder beim Verbinden zweier Systeme fällt auf, dass diese Maßstäbe nicht zueinander passen, und dann ist der Bestand bereits mehrere Jahre alt.
Der weit überwiegende Teil der Unternehmen in Deutschland sind kleine und mittlere Unternehmen (Statistisches Bundesamt). Dort gibt es selten eine Stelle, die Datenqualität als eigene Aufgabe verantwortet, und es wäre auch unwirtschaftlich, dafür eine zu schaffen. Der Ausweg liegt nicht in einer neuen Abteilung, sondern in wenigen Festlegungen, die im Tagesgeschäft tragen: eine geklärte Zuständigkeit je Feld, eine überschaubare Zahl von Pflichtfeldern und Regeln, die in der Eingabemaske stehen statt in einem Dokument, das niemand öffnet. Die folgenden Abschnitte beschreiben genau diese Festlegungen und die Reihenfolge, in der sie sinnvoll sind.
Drei Begriffe sauber trennen
Warum Auswertungen und Schnittstellen an Stammdaten scheitern
Eine Auswertung ist im Kern eine Gruppierung. Umsatz je Kunde, Deckungsbeitrag je Warengruppe, Einkaufsvolumen je Lieferant: Jede dieser Zahlen entsteht, indem Belege über ein gemeinsames Merkmal zusammengefasst werden. Ist dieses Merkmal uneinheitlich, zerfällt die Gruppe. Ein Kunde, der unter drei Nummern geführt wird, erscheint als drei mittlere Kunden statt als ein großer und rutscht damit aus jeder Rangliste, die auf Umsatzgrößen aufbaut. Eine Warengruppe, die bei einem Teil der Artikel leer geblieben ist, erzeugt eine Sammelposition „ohne Zuordnung“, die im ungünstigen Fall den größten Block der Auswertung ausmacht. Die Auswertung ist dabei nicht falsch gerechnet, sie beantwortet nur eine andere Frage als die gestellte.
Bei Schnittstellen wirkt derselbe Mangel härter, weil kein Mensch dazwischensteht. Eine Übertragung braucht einen Schlüssel, an dem beide Seiten denselben Datensatz erkennen: eine Kundennummer, eine Artikelnummer, eine Lieferantennummer. Fehlt dieser Schlüssel oder ist er nicht eindeutig, muss über Name und Anschrift verglichen werden, und dann entscheidet die Schreibweise darüber, ob ein Datensatz gefunden oder neu angelegt wird. So entstehen im Zielsystem Doppelanlagen, die niemand beabsichtigt hat und die später mühsam zusammengeführt werden müssen. Eine Schnittstelle prüft nicht, ob die Daten stimmen, sie verteilt sie nur schneller. Welche Verbindungen technisch in Frage kommen, ist unter Schnittstellen beschrieben; die Reihenfolge bleibt trotzdem: erst der Stamm, dann die Leitung.
Der Fehler zeigt sich im Beleg, die Ursache liegt im Stamm
Der teuerste Effekt ist nicht der einzelne Fehler, sondern der Vertrauensverlust. Wenn zwei Auswertungen zum selben Zeitraum unterschiedliche Zahlen zeigen, wird selten die Ursache gesucht; häufiger wird die Auswertung beiseitegelegt und wieder nach Erfahrung entschieden. Damit bleiben Daten ungenutzt, für deren Erfassung der Betrieb bereits bezahlt hat. Wer ein belastbares Berichtswesen aufbauen will, sollte deshalb beim Stamm beginnen und nicht bei der Auswertungsschicht; welche Kennzahlen im Mittelstand tragen und woher sie kommen, ist unter Kennzahlen und Auswertung beschrieben.
Je Datenart und je Feld ein führendes System
Die erste Festlegung kostet keine Entwicklung, sondern eine Entscheidung: Welches System hält für welches Feld die verbindliche Fassung? Alle anderen Systeme dürfen den Wert anzeigen und verwenden, aber nicht eigenständig ändern. Das klingt nach einer Formalie, ändert im Alltag jedoch viel. Wer eine Anschrift korrigieren will, weiß danach ohne Rückfrage, wo er das tut, und niemand muss diskutieren, welche von zwei abweichenden Fassungen gilt. Ohne diese Klärung entsteht die typische Situation, in der eine Änderung dort vorgenommen wird, wo der Fehler aufgefallen ist, und an den übrigen Stellen unverändert stehen bleibt.
Entscheidend ist die Ebene der Festlegung. Führend ist ein System je Feld, nicht je Datenart als Ganzes. Sonst entsteht eine Grundsatzdiskussion darüber, welches System im Haus das wichtigste ist, und die ist weder zu gewinnen noch nützlich. Je Feld lässt sich die Frage dagegen sachlich klären: Dort, wo ein Wert fachlich entsteht und wo er im Zweifel geprüft wird, gehört er hin. Die Anschrift entsteht im Vertrieb und wird in der Warenwirtschaft geführt, das Zahlungsziel verantwortet die Buchhaltung, die Bankverbindung eines Lieferanten der Einkauf, und zwar unter zusätzlicher Kontrolle. Die folgende Übersicht zeigt die Fälle, die in Projekten regelmäßig strittig sind.
| Datenart oder Feld | Typisch führend | Häufige Streitfrage | Praktikable Regel |
|---|---|---|---|
| Kundenstamm, Anschrift | Warenwirtschaft | Wer darf die Anschrift ändern? | Änderung nur dort; Belege behalten ihre historische Anschrift |
| Zahlungsziel, Konditionen | Buchhaltungssystem | Vertrieb sagt zu, Buchhaltung trägt das Risiko | Zusage nur aus einer hinterlegten Werteliste |
| Artikelstamm, kaufmännisch | Warenwirtschaft | Wer pflegt Preis und Einheit? | Kaufmännische Felder zentral, Texte und Bilder im Fachbereich |
| Preise und Rabatte | Warenwirtschaft | Sonderpreise in Nebenlisten | Preisfindung im System abbilden, keine Listen daneben |
| Lieferantenstamm, Bankdaten | Einkauf | Wer darf Bankdaten ändern? | Änderung nur im Vier-Augen-Prinzip mit Nachweis |
| Personenbezug im Betrieb | Zeiterfassung | Personalnummer oder Kürzel? | Eine Kennung, in allen Systemen dieselbe |
Halten Sie das Ergebnis in einer Tabelle mit drei Spalten fest: Feld, führendes System, Begründung. Diese Tabelle ist kein Verwaltungsdokument, sondern die Grundlage für jede spätere technische Entscheidung, denn eine Übertragung, deren Richtung nicht geklärt ist, lässt sich weder als Schnittstelle noch als Dateiübergabe sauber abbilden. Wo es das System hergibt, sollten nachgelagerte Felder schreibgeschützt sein; wo das nicht möglich ist, hilft eine sichtbare Kennzeichnung in der Maske. Der größere Rahmen, in dem solche Festlegungen zusammenlaufen, ist unter Datenintegration beschrieben.
Pflichtfelder: so wenige wie möglich, so viele wie nötig
Pflichtfelder sind das wirksamste Werkzeug gegen Lücken im Bestand und gleichzeitig das am häufigsten überzogene. Wer zwanzig Felder zur Pflicht erklärt, bekommt keine vollständigen Datensätze, sondern Ausweichwerte: ein Punkt im Namensfeld, eine Null im Telefonfeld, ein Datum aus der Vergangenheit. Solche Werte sind schlechter als leere Felder, weil sie sich später nicht mehr von echten Angaben unterscheiden lassen. Die Auswahl der Pflichtfelder ist deshalb eine fachliche Entscheidung und keine technische: Pflicht ist, was ohne den Wert einen späteren Vorgang unmöglich oder falsch macht.
Neben Pflicht und Freiwilligkeit gibt es eine dritte, oft übersehene Kategorie: die bedingte Pflicht. Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wird bei einem Geschäftskunden im europäischen Ausland gebraucht und bei einem Privatkunden im Inland nicht. Ein Ansprechpartner ist bei einem Großhandelskunden sinnvoll und bei einem Laufkunden überflüssig. Wenn die Maske diese Unterscheidung abbilden kann, bleiben die Pflichtfelder wenige und trotzdem wirksam. Kann sie es nicht, ist ein sichtbarer Status am Datensatz die bessere Lösung als eine generelle Pflicht für alle.
Feld | Pflicht | Führend | Regel
--------------------|---------|-----------------|------------------------------------
Kundennummer | ja | Warenwirtschaft | fortlaufend, nach Löschung nie erneut vergeben
Firmenname | ja | Warenwirtschaft | Schreibweise wie im Handelsregister
Straße, Hausnummer | ja | Warenwirtschaft | Hausnummer im selben Feld, Zusatz ohne Leerzeichen
Postleitzahl, Ort | ja | Warenwirtschaft | Ort ohne Ortsteil in Klammern
Land | ja | Warenwirtschaft | aus fester Werteliste, kein Freitext
Umsatzsteuer-ID | bedingt | Buchhaltung | Pflicht bei Geschäftskunden im EU-Ausland
Zahlungsziel | ja | Buchhaltung | in Tagen, nur aus hinterlegter Werteliste
Ansprechpartner | nein | Vertrieb | Freitext, keine Sammeladressen im Namensfeld
# Pflicht heißt: ohne diesen Wert entsteht kein Datensatz
# Bedingt heißt: Pflicht nur in einem beschriebenen Fall, sonst bewusst leer
# Der Katalog gehört in die Maske, nicht in einen OrdnerFür die elektronische Rechnungsstellung existiert ein europäisch festgelegtes Format, das bestimmte Angaben verbindlich vorsieht (Europäische Kommission). Felder, die dort gefordert sind, gehören folgerichtig in den Pflichtteil des Kundenstamms, weil sie sonst genau im Moment der Rechnungsstellung fehlen und dann unter Zeitdruck beschafft werden müssen. Ähnliches gilt für Angaben, die Ihr Lager oder Ihre Fertigung braucht: Eine Mengeneinheit, die im Artikelstamm leer bleibt, führt spätestens beim Kommissionieren zu einer Rückfrage. Prüfen Sie jedes Feld mit den folgenden Fragen, bevor Sie es zur Pflicht erklären.
- Wird ohne diesen Wert ein späterer Vorgang unmöglich, oder wird er nur unbequemer?
- Steht der Wert zum Zeitpunkt der Anlage überhaupt zur Verfügung, oder kommt er regelmäßig später?
- Gibt es eine feste Werteliste, oder ist an dieser Stelle Freitext unvermeidbar?
- Wer entscheidet, wenn der Wert strittig ist, und woher stammt die verbindliche Fassung?
- Was passiert konkret im Beleg, wenn das Feld leer bleibt?
- Ist der Wert an anderer Stelle bereits vorhanden und kann übernommen statt erneut erfasst werden?
Schreibweisen vereinheitlichen: Regeln statt Geschmack
Uneinheitliche Schreibweisen entstehen dort, wo Freitext möglich ist. Die Mengeneinheit steht einmal als Stück, einmal abgekürzt, einmal in Großbuchstaben. Die Rechtsform steht mal vor, mal hinter dem Firmennamen. Der Ortsteil steht in Klammern hinter dem Ort oder gar nicht. Telefonnummern erscheinen mit Landesvorwahl, mit Null in Klammern oder mit Bindestrichen an wechselnden Stellen. Für einen Menschen ist das lesbar, für jede Sortierung, jede Suche und jeden automatischen Abgleich nicht. Der erste Schritt ist deshalb nicht Bereinigung, sondern eine kurze, verbindliche Regel je betroffenem Feld.
Feld | Regel | Prüfung bei der Anlage
---------------|--------------------------------------------|---------------------------
Firmenname | Rechtsform ausgeschrieben und am Ende | Suche über die ersten fünf Zeichen
Straße | Hausnummer im selben Feld, Zusatz direkt | Abgleich mit Postleitzahl und Ort
Ort | ohne Ortsteil in Klammern | Werteliste je Postleitzahl
Telefon | Landesvorwahl mit Pluszeichen, Rest ohne | Format automatisch prüfen
| Trennzeichen |
Mengeneinheit | ausschließlich aus der Werteliste | Freitext technisch gesperrt
Artikelnummer | festes Muster, keine Sonderzeichen | Muster im System hinterlegt
Warengruppe | genau eine Gruppe je Artikel | Pflichtfeld ohne Sammelgruppe
# Regeln, die nur auf Papier stehen, halten selten ein Quartal
# Jede Regel braucht eine Stelle in der Maske, an der sie wirktWirksam werden solche Regeln erst, wenn sie an der Eingabe ansetzen. Eine Werteliste, aus der ausgewählt wird, verhindert Abweichungen zuverlässiger als jede Schulung. Eine Suche, die vor der Neuanlage automatisch nach ähnlichen Datensätzen sucht, verhindert Dubletten wirksamer als ein Hinweis in der Einarbeitung. Beides ist in gängigen Systemen konfigurierbar und kostet meist weniger Aufwand als die spätere Bereinigung derselben Fehler. Was sich technisch nicht erzwingen lässt, gehört in eine kurze Handreichung, die am Arbeitsplatz erreichbar ist und beim Einarbeiten neuer Mitarbeitender verwendet wird.
Nummern ohne Bedeutung
Sprechende Nummern, in denen Warengruppe oder Region kodiert sind, werden falsch, sobald sich die Zuordnung ändert. Fortlaufende Nummern ohne Sonderzeichen sind unauffällig und halten länger. Gelöschte Nummern werden nicht erneut vergeben, sonst zeigen alte Belege auf neue Objekte.
Wertelisten statt Freitext
Mengeneinheiten, Länder, Zahlungsarten, Steuerkennzeichen und Warengruppen kommen aus einer gepflegten Liste. Freitext an diesen Stellen ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass eine Auswertung in Sammelpositionen zerfällt.
Suche vor der Neuanlage
Vor jeder Neuanlage wird nach Nummer, Namensanfang und Postleitzahl gesucht. Die Maske sollte diese Suche selbst anbieten, statt sie der Sorgfalt der eingebenden Person unter Zeitdruck zu überlassen.
Eilfälle sichtbar machen
Wenn unter Zeitdruck ein Datensatz ohne Pflichtfelder entstehen darf, wächst genau dort der Altbestand von morgen. Sinnvoller als eine Ausnahme ist ein Status am Datensatz, der die Nachpflege einfordert und in einer Liste auftaucht.
Wer pflegt welches Feld: Zuständigkeit, Rechte, Kontrolle
Zur Festlegung des führenden Systems gehört die Festlegung der Rolle. Ein System ist ein Ort, keine Person, und Datenqualität entsteht durch Menschen, die eine Aufgabe zugewiesen bekommen haben. Sinnvoll ist eine Aufteilung in vier Rechte: anlegen, ändern, prüfen, sperren. Für die meisten Felder fallen anlegen und ändern zusammen und liegen beim Fachbereich, der den Wert braucht. Für wenige Felder ist eine zweite Person angemessen, insbesondere bei Bankverbindungen, Konditionen und Rabattstufen, weil dort ein Fehler unmittelbar Geld bewegt.
Für die Vergabe von Zugriffsrechten gilt der Grundsatz, nur so viele Rechte zu vergeben, wie für die jeweilige Aufgabe erforderlich sind (BSI). Praktisch bedeutet das: Ein technischer Zugang für eine Übertragung braucht kein Recht, Stammdaten zu ändern, wenn er sie nur lesen soll. Ebenso wenig braucht jede Person im Vertrieb das Recht, Preise zu überschreiben. Zugleich gilt der umgekehrte Fehler: Wenn Rechte so eng gesetzt sind, dass für jede Korrektur eine Anfrage nötig wird, entstehen Nebenlisten außerhalb des Systems, und der Bestand veraltet erneut. Die Aufteilung sollte deshalb mit den Fachbereichen abgestimmt und nach einigen Wochen überprüft werden.
- Anlage: Wer darf einen neuen Kunden, Artikel oder Lieferanten überhaupt anlegen, und in welchem System geschieht das?
- Änderung: Wer darf welches Feld ändern, und welche Felder sind in den nachgelagerten Systemen schreibgeschützt?
- Kontrolle: Welche Änderungen brauchen eine zweite Person, etwa Bankverbindung, Kreditlimit oder Rabattstufe?
- Sperrung: Wer entscheidet über Sperren statt Löschen, damit ältere Belege ihren Bezug behalten?
- Nachweis: Wird protokolliert, wer wann welches Feld geändert hat, und ist dieses Protokoll auswertbar?
- Vertretung: Wer übernimmt die Pflege bei Abwesenheit, damit Datensätze nicht wochenlang unvollständig bleiben?
Rechtlich berührt das Thema mehrere Bereiche zugleich: die Nachvollziehbarkeit von Geschäftsvorfällen und die Aufbewahrung von Belegen, den Datenschutz bei personenbezogenen Angaben wie Ansprechpartnern und deren Kontaktdaten sowie die Frage, wie lange nicht mehr benötigte Datensätze aufbewahrt werden dürfen. Sinnvoll ist ein schriftlich festgehaltenes Vorgehen, das beschreibt, welche Datensätze gesperrt statt gelöscht werden und wann eine Löschung erfolgt. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; die Bewertung Ihres konkreten Falls gehört in fachliche Prüfung, insbesondere wenn Aufbewahrungspflichten und Löschansprüche aufeinandertreffen.
Bereinigung im laufenden Betrieb: fünf Schritte
Eine Bereinigung, die den Betrieb anhält, findet nicht statt. Der Vorschlag, den Bestand an einem Wochenende durchzugehen, scheitert an der Menge und an der Tatsache, dass die Personen mit dem nötigen Fachwissen genau dann im Tagesgeschäft gebraucht werden. Tragfähig ist ein Vorgehen in Wellen, das mit dem Teil des Bestands beginnt, der tatsächlich benutzt wird, und den Rest ruhen lässt. In vielen Betrieben entfällt ein erheblicher Teil der Datensätze auf Kunden und Artikel ohne Bewegung in den letzten Jahren; diese müssen nicht zuerst angefasst werden, und manche nie.
Schritt 1: Regeln festlegen, bevor etwas angefasst wird
Feldkatalog, Pflichtfelder, Schreibregeln und führendes System je Feld werden schriftlich festgelegt und mit den Fachbereichen abgestimmt. Ohne diese Grundlage wird nach persönlichem Geschmack korrigiert, und in einem halben Jahr steht derselbe Bestand mit anderen Abweichungen da.
Schritt 2: Neuanlagen absichern
Pflichtfelder, Wertelisten, Formatprüfungen und die Suche vor der Neuanlage werden im System eingerichtet. Ab diesem Zeitpunkt wächst der Bestand nicht weiter in die falsche Richtung, und jede spätere Bereinigung bleibt ein einmaliger Aufwand statt einer Dauerbaustelle.
Schritt 3: Bestand messen statt schätzen
Aus dem System wird ein Auszug gezogen und ausgewertet: Anteil leerer Pflichtfelder je Datenart, Anzahl möglicher Dubletten, Anzahl abweichender Schreibweisen je Feld, Anzahl Datensätze ohne Bewegung in den letzten 24 Monaten. Ergebnis ist eine nach Wirkung sortierte Liste statt eines Gefühls.
Schritt 4: In Wellen bereinigen, nach Wirkung sortiert
Zuerst kommen die aktiven Datensätze der letzten 24 Monate, danach die selteneren. Eine Welle umfasst eine Menge, die eine Person in wenigen Tagen schafft, und wird abgeschlossen, bevor die nächste beginnt. So bleibt der Fortschritt sichtbar, und eine Unterbrechung durch das Tagesgeschäft wirft das Vorhaben nicht zurück.
Schritt 5: Prüfen und erneut messen
Nach jeder Welle werden dieselben Kennzahlen wie in Schritt 3 erhoben. Bleiben Abweichungen bestehen, liegt es meist an einer Regel, die im Alltag nicht funktioniert, nicht an der ausführenden Person. Die Regel wird nachgeschärft und der Feldkatalog fortgeschrieben.
Feldkatalog, Pflichtfelder, Schreibregeln und führendes System je Feld werden schriftlich festgelegt und mit den Fachbereichen abgestimmt. Ohne diese Grundlage wird nach persönlichem Geschmack korrigiert, und in einem halben Jahr steht derselbe Bestand mit anderen Abweichungen da.
Pflichtfelder, Wertelisten, Formatprüfungen und die Suche vor der Neuanlage werden im System eingerichtet. Ab diesem Zeitpunkt wächst der Bestand nicht weiter in die falsche Richtung, und jede spätere Bereinigung bleibt ein einmaliger Aufwand statt einer Dauerbaustelle.
Aus dem System wird ein Auszug gezogen und ausgewertet: Anteil leerer Pflichtfelder je Datenart, Anzahl möglicher Dubletten, Anzahl abweichender Schreibweisen je Feld, Anzahl Datensätze ohne Bewegung in den letzten 24 Monaten. Ergebnis ist eine nach Wirkung sortierte Liste statt eines Gefühls.
Zuerst kommen die aktiven Datensätze der letzten 24 Monate, danach die selteneren. Eine Welle umfasst eine Menge, die eine Person in wenigen Tagen schafft, und wird abgeschlossen, bevor die nächste beginnt. So bleibt der Fortschritt sichtbar, und eine Unterbrechung durch das Tagesgeschäft wirft das Vorhaben nicht zurück.
Nach jeder Welle werden dieselben Kennzahlen wie in Schritt 3 erhoben. Bleiben Abweichungen bestehen, liegt es meist an einer Regel, die im Alltag nicht funktioniert, nicht an der ausführenden Person. Die Regel wird nachgeschärft und der Feldkatalog fortgeschrieben.
Der wichtigste Punkt an diesem Vorgehen ist die Reihenfolge. Erst die Regel, dann die Bereinigung. Wer den Bestand ordnet, ohne die Neuanlage abzusichern, arbeitet gegen einen Zufluss, der schneller ist als die eigene Bearbeitung. Umgekehrt entfaltet eine abgesicherte Neuanlage bereits Wirkung, bevor der Altbestand berührt wurde, weil die Datensätze, die täglich neu entstehen, ab sofort den Regeln entsprechen. Für die Kalkulation des Aufwands hat sich bewährt, eine Stichprobe von etwa hundert Datensätzen vollständig zu bereinigen und die dafür benötigte Zeit hochzurechnen (Projekterfahrung).
Ein bereinigter Bestand ohne Regeln für die Neuanlage ist ein Zwischenstand mit Verfallsdatum, kein Ergebnis.
Dubletten und Altbestand: zusammenführen statt löschen
Dubletten sind doppelt angelegte Datensätze für denselben Kunden, Artikel oder Lieferanten. Sie entstehen, wenn die Suche vor der Neuanlage fehlt oder wenn eine kleine Abweichung in der Schreibweise dazu führt, dass der vorhandene Datensatz nicht gefunden wird. Für die Erkennung reicht selten ein einfacher Vergleich: Sinnvoll ist ein Abgleich auf normalisierten Werten, bei dem vor dem Vergleich Groß- und Kleinschreibung, Leerzeichen, Rechtsformzusätze und Sonderzeichen vereinheitlicht werden. Das Ergebnis ist eine Liste von Kandidaten, nicht eine Liste von Tatsachen.
Die Entscheidung, ob zwei Datensätze denselben Partner meinen, gehört in den Fachbereich und nicht in ein automatisches Verfahren. Zwei Standorte einer Unternehmensgruppe können unter ähnlichen Namen geführt werden und trotzdem getrennt gehören, weil sie getrennt bestellen und getrennt zahlen. Wird automatisch zusammengeführt, gehen Zuordnungen verloren, die im Tagesgeschäft gebraucht werden. Die folgenden Regeln haben sich für die Zusammenführung bewährt und lassen sich auf Kunden, Lieferanten und Artikel gleichermaßen anwenden.
- Abgleich auf normalisierten Werten durchführen und das Ergebnis als Kandidatenliste behandeln, nicht als Entscheidung.
- Kandidaten durch den zuständigen Fachbereich bestätigen lassen, mit Blick auf Bestellverhalten und Zahlungsweg, nicht nur auf den Namen.
- Führenden Datensatz festlegen: sinnvoll ist der mit den meisten Belegen und der vollständigsten Pflege, nicht der mit der niedrigsten Nummer.
- Fehlende Werte aus dem abzulösenden Datensatz übernehmen, bevor dieser gesperrt wird, damit keine Angabe verloren geht.
- Abgelösten Datensatz sperren statt löschen, damit ältere Belege ihren Bezug behalten und Rückfragen beantwortbar bleiben.
- Alte Nummer als zusätzlichen Suchbegriff hinterlegen und jede Zusammenführung mit Datum, Person und Begründung protokollieren.
Beim Artikelstamm ist zusätzliche Vorsicht angebracht, weil hinter einer Artikelnummer Bestände, Preise, offene Aufträge und in manchen Betrieben auch Seriennummern oder Chargen stehen. Eine Zusammenführung ohne Abstimmung mit dem Lager verschiebt Bestände und erzeugt Differenzen, die in der Inventur auffallen und dann aufwendig zu klären sind. Praktikabel ist, den abzulösenden Artikel zunächst für die Neuverwendung zu sperren, den Bestand geordnet auslaufen zu lassen und die Nummer erst danach stillzulegen. Bei Datensätzen aus abgelösten Altsystemen gilt derselbe Grundsatz: übernommen wird, was benötigt wird, der Rest bleibt im Archiv und nicht im Produktivbestand.
Pflege dauerhaft verankern
Stammdatenqualität ist kein Zustand, sondern eine laufende Aufgabe mit geringem, aber regelmäßigem Aufwand. Nach einer Bereinigung genügt in vielen Betrieben eine kurze monatliche Prüfung, in der wenige Kennzahlen betrachtet und offene Punkte verteilt werden. Wichtig ist, dass diese Prüfung einen festen Termin und eine benannte Person hat. Ohne beides verschwindet sie im Tagesgeschäft, und nach zwei bis drei Jahren steht derselbe Bestand wieder da, an dem die Bereinigung angesetzt hat.
Wenige Kennzahlen, monatlich
Anteil leerer Pflichtfelder, Anzahl offener Dublettenkandidaten, Anzahl Datensätze im Status Nachpflege. Drei Zahlen genügen, um zu erkennen, ob die Qualität hält oder langsam abrutscht.
Benannte Zuständigkeit je Datenart
Eine Person je Datenart entscheidet Rückfragen und schreibt die Regeln fort. Ohne Namen bleibt die Pflege Nebensache, und strittige Fälle bleiben unentschieden im Bestand stehen.
Regeln dort, wo gearbeitet wird
Der Feldkatalog gehört in die Maske und in die Einarbeitung, nicht in einen Ordner. Eine kurze, gepflegte Fassung wirkt zuverlässiger als ein umfangreiches Dokument ohne Bezug zum Alltag.
Halten Sie den Feldkatalog, die Zuständigkeiten und die Regeln an einer Stelle fest, die auch dann noch auffindbar ist, wenn die Person mit dem Wissen im Kopf nicht mehr im Betrieb ist. Eine solche Beschreibung ist zugleich ein Baustein der Prozessdokumentation und zahlt sich bei jeder Einarbeitung, bei jeder Prüfung und bei jedem Systemwechsel aus. Sie muss nicht umfangreich sein: Wenige Seiten mit Tabellen sind wirksamer als ein Handbuch, das nach einem Jahr nicht mehr stimmt.
Ein Systemwechsel ist der Moment, in dem sich die Qualität des Stamms auszahlt oder rächt. Übernommen wird, was vorhanden ist, und eine Migration ist der ungünstigste Zeitpunkt für eine erste Bereinigung, weil dann Termindruck und fachliche Klärung zusammenfallen. Wer einen Wechsel plant, sollte den Stamm ein bis zwei Quartale vorher ordnen und die Migration mit einem Bestand beginnen, der Regeln folgt (Projekterfahrung). Der Aufwand fällt in beiden Fällen an; vorher ist er planbar, während der Umstellung ist er es nicht.
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